Das Blubbern der Wasserpfeife
Im Märchen «Zwerg Nase»
lässt Wilhelm Hauff den jungen Schreiber sagen:
«Ich könnte tagelang so hinsitzen,
die Beine untergeschlagen, einen Arm aufs Kissen gestützt,
die
Stirne in die Hand gelegt, und, wenn es ginge, des Scheiks
grosse Wasserpfeife in der Hand und
Geschichten anhören - so ungefähr stelle ich mir
das Leben vor in den Gärten Mahomeds.»
Die Wasserpfeife ist der Inbegriff orientalischer
Beschaulichkeit. In Kaffeehäusern, Hotels oder
Privathäusern des Orients wird sie einem bis heute als
Zeichen der Gastfreundschaft angeboten. Die oftmals
reichverzierte Pfeife, die von mehreren Rauchern
gleichzeitig benutzt werden kann, ist ein Mittelpunkt des
gesellschaftlichen Austauschs; bei der Wasserpfeife
zeigt die islamische Welt ein äusserst
friedliches Gesicht.
Die klassische Wasserpfeife, Nargileh (pers.
närgil, Kokosnuss) oder auch Schische (türk.
Flasche) genannt, besteht aus drei Funktionselementen.
Da braucht es zunächst ein Wasserbehältnis
etwa aus Messing,
Porzellan oder Glas. Dieses Behältnis, das meist einen
Standfuss hat, wird bis zu drei Vierteln mit
Wasser gefüllt. Daraus ragt als zweites Funktionselement
ein Aufsatz, auf dem der eigentliche
Pfeifenkopf sitzt.
Auf einer Holzkohleglut wird der Tabak erhitzt. Der
Rauch wird nun direkt in das Wasser geleitet.
Schliesslich braucht es einen Rauchschlauch, der in
den Hohlraum oberhalb des Wassers geführt wird und
an dessen Ende sich das Mundstück befindet.
Zieht man am Schlauch, so entsteht in der Flasche ein Unterdruck,
und der Rauch wird, begleitet von einem
blubbernden Geräusch, durch das Wasser hindurchgesogen.
Dieser Vorgang bewirkt eine Filtrierung und
angenehme Kühlung des Rauches.
Das Rauchgut ist eine Mischung von Tabakstaub und
Melasse, die meist mit Apfel-, Pfirsich-, Pfefferminz-
aroma oder ändern Aromen parfümiert ist.
Oft wird in die Wasserpfeife auch Rosenwasser gefüllt.
Die Verbreitung von Wasserpfeifen erstreckt sich von
Afrika bis China. Lange vor der Entdeckung des
Tabaks wurden in Afrika aus Kokosnüssen und Kalebassen
Wasserpfeifen gefertigt, in denen man
Heilkräuter und Rauschmittel rauchte. Von
Afrika verbreitete sich diese Pfeifenart in den Vorderen
Orient
und nach Asien. Die persische Nargileh fand
aber erst im 18. Jahrhundert den Weg ans Goldene Hörn.
Die Glasbehältnisse, die im osmanisch-türkischen
Reich für teure Wasserpfeifen verwendet wurden, stammten
häufig aus böhmischen Manufakturen. In Indien
gibt es die Huka aus Ton, und die Chinesen stellen
so kleine
Wasserpfeifen her, dass man sie mit sich tragen kann.
Thomas Brunnschweiler
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